Benedikt Böhm – Botschafter für die Lebenshilfe München

Als Ski-Bergsteiger besteigt Benedikt Böhm extrem schnell die höchsten Berge der Welt. Der Vater von drei Kindern ist Geschäftsführer der Firma Dynafit (Weltmarktführer in Sachen Skitourenausrüstung) und engagiert sich als Botschafter für die Lebenshilfe München.

Benedikt Böhm – Botschafter für die Lebenshilfe München
In einem Interview bekennt sich der Extremsportler zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung.

Mit Ihrem Engagement für die Lebenshilfe München haben Sie sich entschlossen, die Schwächsten in unserer Gesellschaft und ihre Familien zu unterstützen. Was bedeutet für Sie persönlich dieses Engagement?

Benedikt Böhm: Es bedeutet für mich, Verantwortung in der Gesellschaft nach dem Solidaritätsprinzip zu übernehmen. Es bedeutet für mich auch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist gesund zu sein.

Als Extrembergsteiger haben Sie schwindelnde Höhen gemeistert, außergewöhnliche Situationen erlebt und große Erfolge gefeiert. Dennoch sind auch Sie sicherlich schon gelegentlich an Ihre Grenzen gestoßen, haben Phasen erlebt, in denen Ihnen Kraft und Energie fehlten. Wie gehen sie mit eigenen Schwächen um?

Benedikt Böhm – Botschafter für die Lebenshilfe MünchenBenedikt Böhm: Auf der einen Seite wachsen wir an Schwächen und Rückschlägen. Es gilt auch an Schwächen zu arbeiten, um ans Ziel zu kommen. Das war bei mir vor allem in der Schule und im Studium so. Damals habe ich mich sehr schwer getan und wusste, dass ich zehnmal so hart arbeiten muss wie meine Freunde. Auf der anderen Seite müssen wir auch lernen, Schwächen zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen lernen. Ich habe viele Schwächen und habe mich eine ganze Zeitlang zu viel auf meine Schwächen konzentriert und mit mir gehadert bevor ich gelernt habe, dass es viel zielführender ist, sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Das hat mir dann wesentlich mehr Kraft und Selbstbewusstsein gegeben. Eine meiner Stärken war Skitourengehen und Bergsteigen. Auch wenn es banal und nicht vielversprechend war, habe ich mich darauf mit aller Kraft in meiner Freizeit konzentriert. Niemals hätte ich gedacht, dass ich diesen Sport so perfektionieren könnte, dass ich heute indirekt davon leben kann.  Heute gleiche ich Schwächen durch gute Teams um mich herum aus – sowohl im Beruf als auch im Bergsteigen. Sparringspartner fordern und fördern sich gegenseitig. Das gilt am Berg und im Beruf. Meine Kollegen sind viel besser in ihren Jobs als ich, obwohl ich vielleicht der Chef bin. Auch hier gilt es, die Stärken der Kollegen zu sehen und entsprechende Jobs zu entwerfen.

Oft fühlen sich die Familien mit Angehörigen, die eine Behinderung haben, extrem gefordert. Auch Sie als Sportler und Unternehmer kennen ungewöhnliche und stark fordernde Situationen. Können Sie Ratschläge geben, die helfen, außergewöhnliche Umstände besser zu bewältigen?

Benedikt Böhm: Mir liegt es fern, Ratschläge zu geben, aber ich kann schildern wie ich mit solchen Situationen umgehe. Auf der einen Seite trage ich Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, der Familie und Seilpartnern. Wenn wir Menschen gefordert werden, geht es uns normalerweise gut. Dazu sind wir da und jeder will gebraucht werden. Wir haben immer Angst vor etwas (also vor einer vermeintlich übergroßen Aufgabe), aber wir haben selten Angst ‚in‘ einer Situation. Einmal war ich Ersthelfer in einem der größten Lawinenunglücke am Himalaya mit elf Toten. Unmittelbar bevor ich das Lawinen-Schlachtfeld betreten habe, hatte ich Angst. Als ich dann den ersten Menschen sah und anfing auszugraben, war die Angst weg. Ich war nun mitten in der Situation und musste einfach etwas tun. Ähnlich geht es vielen in einem neuen Job, dem man sich nicht gewachsen fühlt oder wenn man Kinder bekommt. Man muss einfach durch. Und natürlich überfordert mich diese Verantwortung immer wieder. Hier sollte man nicht vergessen, dass wir auch Verantwortung uns selbst gegenüber tragen. Wir werden unserer Verantwortung am besten gerecht wenn wir in unserer Mitte sind und kraftvoll die Aufgaben anpacken können. Wir sind dazu verpflichtet, uns bei allen Pflichten auch eigene Freiräume zu schaffen, in denen wir Kraft und Motivation tanken. Freiräume in denen wir uns rausnehmen. Das heißt weg lassen und überlegen: Was kostet mich Kraft (kann gegebenenfalls weg gelassen werden) und was gibt mir Kraft? Ich persönlich könnte nicht effizient und effektiv sein wenn ich nicht immer wieder raus in die Natur kommen und mich körperlich auspowern würde. Selbst wenn ich dafür um vier Uhr morgens aufstehe, um vor der Arbeit laufen oder auf den Berg zu gehen. In dieser Zeit schöpfe ich Kraft, denke kreativ und löse Aufgaben. In Bewegung, ohne Handy und Laptop, finde ich meine Form der Meditation. Ich denke jeder Mensch hat ganz unterschiedliche Kraftquellen. Wichtig ist nur, dass man diese findet und sich diese bewusst macht. Genauso wichtig ist aber auch, dass man unnötige Kraftreduzierer identifiziert und sich davon trennt, selbst wenn das im ersten Moment schmerzvoll oder unmöglich erscheint. Ich wäre schon zugrunde gegangen wenn ich nicht gelernt hätte, Verantwortung abzugeben und manchmal auch höflich ‚Nein‘ zu sagen.


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